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Dezember 2010 |
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15 Jahre Karlstorkino |
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15 Jahre Karlstorkino – 40 Jahre Medienforum
Jahrestage sind immer Anlässe für Rückblicke. Der Blick richtet sich auf die Gründungsumstände und Geburtswehen einer Einrichtung, die stolzen Eltern und Paten stehen daneben, und freuen sich, was für eine Prachtkerl ihr Kind doch geworden ist. Eigen- und Fremdfeiern ist angesagt, man wünscht dem Jubiliar alles Gute und hofft, dass er auch in Zukunft so wacker und kräftig voranschreiten möge, wie er das in den vergangenen Tagen mit all ihren Lebenskrisen immer getan hat.
Auch das Medienforum hat Grund zum Feiern. Allerdings fängt die Geschichte nicht erst mit der Gründung des Karlstorbahnhofs 1994/95 an, sondern geht zurück bis zum Anfang der siebziger Jahre. Wollte man einen Stammbaum der Idee eines kommunalen Kinos schreiben, könnte man sogar zurückgehen bis in die zehner Jahre des letzten Jahrhunderts, mithin in die Frühzeit des Kinos selbst. Als eine der kinofreudigsten Städte der Bundesrepublik hatte Heidelberg nach 1945 auch einen umtriebigen akademischen „Filmclub“ (1946-70), der zeitweilig ein eigenes Festival („Filmkunsttage“ 1951/52) veranstaltete.
Die Vorgeschichte des Karlstorkinos
Das unrühmliche Ende des Filmclubs – er endete in den Wirren der Studentenbewegung als Kellerkino des „Collegium Academicum“ - gab Raum für neue Initiativen, die sich mit den veränderten Bedingungen der filmkulturellen Kommunikation in der Stadt beschäftigten. Eine der treibenden Kräfte war der junge Leiter der Volkshochschule, Dipl.-Pol. Siegfried Scheffel, der aus seiner Tätigkeit in Oberhausen und Mannheim das Konzept eines kommunalen Kinos mitbrachte. Er verfolgte zunächst die Idee eines „Arbeitskinos in der Altstadt“, was aber auf städtischen Widerstand stieß.
Stattdessen gab es ab Herbst 1971 das „filmforum“ der Volkshochschule, eine Filmreihe, die zwanzig Jahre lang das VHS-Programm begleiten sollte. Auch von einem „Medienzentrum“ war bereits die Rede und selbst ein örtlicher Kinobesitzer wurde nervös: „Braucht Heidelberg ein städtisches Kino?“
Das kategorische Nein der Stadtverwaltung in dieser Sache blieb jedoch ungeschriebenes Gesetz bis 1990. Nichtsdestotrotz bildeten sich spontan Mediengruppen und -produzenten, die die neuen Medien (Video, S8-Film) für ihre pädagogischen oder politischen Zwecke nutzten. Sie nannten sich Filmgruppe „08/16“, Mediengruppe „Schrägspur“ oder „Mopäd“. Irgenwann im Sommer 1985 meldeten sich mit dem Herzog-Film „Lebenszeichen“ die „Initiative für ein kommunales Kino -Cinambul“ im DAI zu Wort.
Ihre Formate (U-matic-Video, VHS, Hi8, Super8, 16mm) waren so vielfältig, wie ihre Spielorte (Löwenkeller, Jägerlust, DAI, Kulturfenster, päd-aktiv) und Szenen-Zusammenhänge. Da gab es eine „Rosa Leinwand“ für junge Schwule, eine Filmgruppe des „Frauencafes“, einen städtischen Medientreff in der Plöck 2a und „Brennpunkt Medien“ in der Bergheimerstrasse.
Das „Karlstorbahnhof“ als Medienzentrum
Eine Fokussierung und Bündelung der Kräfte war angesagt. Möglich wurde dies erst durch eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat, die unter OB Beate Weber den vielfältigen sozio-kulturellen Ansätzen in der Stadt erstmal ein eigenes Gebäude als Kommunikationszentrum in Aussicht stellte. Fünf lange Jahre des Wartens folgten, bis sich im Dezember 1995 erstmals die Türen des „Karlstorkinos“ öffneten.
Inzwischen war auch eine neue Generation von Medien-Machern herangewachsen, die ihre Filme auf den „Film- und Video-Tagen“ (1990-2000) vorstellten. Der local hero Gordian Maugg stellte seinen „Olympischen Sommer“ vor (noch im „Gloria“), die zukünftigen Filmemacher/Schauspieler Stefan Hillebrand und Isolde Fischer übten sich im Filmschnitt, Yilmaz Arslan schnitt seinen „Yara“ in unserem Keller. Nicht zuletzt fand das Archiv der „Schrägspur“ einen Raum im Karlstorbahnhof.
Auch Kino-Events wie „Filmtage des Mittelmeers“ (2011 zum 25. Mal!) und „Cinema! Italia!“ fanden ihren Weg ins „Karlstorkino“ und mit dem „Goldenen Hirschen“ als regionaler Kurzfilmplattform wurde seit 2008 die Tradition der „Film- und Video-Tage“ wieder aufgenommen.
Mögen dem Karlstorbahnhof und seinem Kino noch viele fruchtbare Jahre bevorstehen - „Ad multos annos“ Karlstorkino!
Jo-Hannes Bauer
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Fratricide - Brudermord
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Deutschland 2005 | Regie: Yilmaz Arslan | 96 min. | 35mm | Xewat Gectan, Erdal Celik u.a. | Original mit deutschen Untertiteln.
Ein Filmabend in Anwesenheit des Regisseurs Yilmaz Arslan.
Der junge Kurde Azad verlässt schweren Herzens seine Heimat, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Sein Bruder Semo ist bereits in Berlin und schlägt sich auf dem Straßenstrich durch. Doch solche schmutzigen Geschäfte kommen für den anständigen Azad nicht in Frage. Stattdessen verdingt er sich als Barbier und wird unterstützt von Ibo, mit dem sich Azad ein Zimmer in der Asylbewerberunterkunft teilt. Als die beiden eines Tages in der U-Bahn auf die Türken Achmet und Zeki, geraten die Parteien in Streit und beleidigen sich aufs Übelste, was nicht ohne Folgen bleibt. Das archaische und verhängnisvolle Räderwerk von Ehrverletzung und Rache, Gewalt und Gegengewalt setzt sich in Gang
Migration und Integration sind seit jeher die Themen des in Mannheim lebenden kurdischen Filmemachers Yilmaz Arslan. FRATRICIDE / BRUDERMORD geht dabei ans Eingemachte und verweist auf die Jahrhunderte alte Feindschaft zwischen Kurden und Türken. Ein pessimistischer Einblick in die Parallelgesellschaft der Migranten und ein hartes, schroffes, düsteres, mitunter auch sehr gewalttätiges Drama mit ausgezeichneten Laiendarstellern.
Yilmaz Arslan, geboren 1968 in Kazanli, Türkei. 1975 Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland. 1992 folgt das Erstlingswerk LANGER GANG, das auf dem Filmfestival San Sebastian als Bestes Regiedebüt ausgezeichnet wird. 1998 mit YARA der nächste Film als Produzent, Autor und Regisseur. In denselben Funktionen zeichnet Arslan auch für FRATRICIDE – BRUDERMORD verantwortlich, der 2005 auf dem Internationalen Filmfestival Locarno mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet wird.
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Schiffsjunge Hans Warns + Wir Schmidts
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Deutschland 2000 + 2009 | Regie: Gordian Maugg | 15 + 43 min. | digital | deutsche Fassung.
Ein Filmabend in Anwesenheit des Regisseurs Gordian Maugg.
Grundlage des Langfilms HANS WARNS - MEIN 20. JAHRHUNDERT waren zwei Kurzfilme mit gleichem Namen, die als historische Kompilationsfilme die erste Reise eines 14jährigen Schiffsjungen zeigen. Einer der beiden Kurzfilme, "SCHIFFSJUNGE HANS WARNS - 1. Teil: 1914 - Auf und davon!" , der sich mit der Kindheit des Jungen und dessen Reise nach Chile beschäftigt, wird heute abend gezeigt.
Im Anschluß: WIR SCHMIDTS – EIN LEBEN: Loki und Helmut. Mit zehn Jahren rauchte sie ihre erste Zigarette zusammen mit ihrem späteren Mann Helmut, auf dem Schulhof sorgte sie schon mal für blutige Nasen und die Matheaufgaben schrieb sie gleich selbst in Helmuts Heft - denn Mathe konnte er nicht. Mit ihm war sie über 60 Jahren verheiratet. Hannelore Schmidt, besser bekannt als 'Loki', war mehr als nur die Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers ... Gordian Maugg hatte 2009 für einige Wochen Zugang zu den kompletten Erinnerungen und persönlichen Aufzeichnungen von Helmut und Loki Schmidt, viele Hundert Bilder unbekanntes Archivmaterial wurde gesichtet und dann später für diesen Film verwendet. Das Interview mit den Schmidts führte Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Heidelberger Erstaufführung.
Gordian Maugg, geboren 1966 in Heidelberg. 1987-1993 Studium an der Kunsthochschule Kassel, Schwerpunkt „Film/Fernsehen“. 1993-1995 Gasthörer an der HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam, 1994 Gründung der Gordian Maugg Filmproduktion. Seine bekanntesten Filme: DER OLYMPISCHE SOMMER (1993), DIE KAUKASISCHE NACHT (1996), HANS WARNS – MEIN 20. JAHRHUNDERT (2000), ZEPPELIN! (2005). Zuletzt machte Gordian Maugg durch die TV-Doku HUNGERWINTER – ÜBERLEBEN NACH DEM KRIEG von sich reden.
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The best of ZUM GOLDENEN HIRSCH
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Deutschland 2007 - 2010 | Regie: diverse | ca. 100 Min. min. | digital | deutsche Fassung.
Sie ist mittlerweile berühmt und berüchtigt: die regionale Kurzfilmplattform ZUM GOLDENEN HIRSCH, die 2007 ihre Anfänge im Medienforum / Karlstorkino nahm.
Bald schon geht ZUM GOLDENEN HIRSCH, das größte regionale Nachwuchsfilmfestival Deutschlands, ins fünfte Jahr und versammelt mittlerweile weite Teile der Kurzfilmszene im Rhein-Neckar-Raum in sich. Ob jugendlicher Handyfilm, schmierige Kurzkomödie oder komplexes Filmkunstwerk – hier wird gezeigt, was gut und originell ist. Alle bisherigen Veranstaltungen waren ausverkauft.
An diesem Abend soll das Beste aus der jüngsten ZUM GOLDENEN HIRSCH-Vergangenheit auf dem Programm stehen - mit einem Blick in die Zukunft. Wohin soll oder wird sich der HIRSCH entwickeln? Wie lauten weitere Ambitionen? Was steht an für 2011?
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Ungeküsst zurück + Die Wurstverkäuferin
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Deutschland 2010 | Regie: Stefan Hillebrand | 45 + 20 min. | digital | Isolde Fischer u.a. | deutsche Fassung.
Ein Filmabend in Anwesenheit des Regisseurs Stefan Hillebrand.
UNGEKÜSST ZURÜCK: der neue Dokumentarfilm des Mannheimer Filmemachers Stefan Hillebrand, der Jugendliche im Rahmen eines Schulprojektes an der Integrierten Gesamtschule Mannheim - Herzogenried begleitete, das sich mit den Fragen nach Sterben und Abschied, Trauer und Tod auseinandersetzte. Lehrerinnen und Lehrer verschiedenster Fächer gingen gemeinsam mit ihren Schülern auf kreative Weise scheinbar unbequeme Fragestellungen an - ein Film, der Einblicke gibt in die Erfahrungswelt von Kindern und Jugendlichen und der Mut macht, hinzuschauen und offen auszusprechen statt zu tabuisieren, was leider für viele Erwachsene oftmals ein Thema ist, über das man nicht spricht. Erstaufführung in Heidelberg.
Im Anschluss wird noch einmal einer der großen Publikumslieblinge des Regisseurs zu sehen sein: DIE WURSTVERKÄUFERIN (2001), eine Doku-Soap über menschliche Abgründe und Gefühle in der örtlichen Metzgerei.
Stefan Hillebrand, geboren 1969 in Verl. Er studierte zuerst Erziehungswissenschaften, Kriminologie und Jugendpsychiatrie in Heidelberg, bevor er an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ein Regie- und Drehbuchstudium absolvierte. Stefan Hillebrand ist Mitglied des Improvisationstheaters "DRAMA light". Filmographie (Auswahl): WENN DER RICHTIGE KOMMT (2003), WIR WERDEN UNS WIEDER SEHEN (2006), UNGEKÜSST ZURÜCK (2010).
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