Cinéfête vom 2. bis 8.12.04 im Karlstorkino mit zahlreichen Vorstellungen für Schulklassen
Zum fünften Mal geht Cinéfête auf Tournée durch Deutschland. Aufgrund des großen Erfolgs wird das beliebte französische Jugendfilmfestival, das jährlich 100.000-120.00 junge Zuschauer in die Kinos lockt, dieses Jahr erstmals mit zwei Kopiensätzen gestartet. So können künftig noch mehr Kinos teilnehmen. Eröffnet wird am 24. August 2004 in Sachsen mit der knallbunten, burlesken Teenagerkomödie La vie ne me fait pas peur von Noémie Lvovsky, einer der begabtesten Nachwuchsregisseurinnen Frankreichs. Der mehrfach preisgekrönte Film war bisher noch nicht in den deutschen Kinos zu sehen. Mit sieben französischen Filmen in der Originalversion mit deutschen Untertiteln bietet das vielfältige Programm Unterhaltsames und Spannendes für jede Altersklasse von der Grundschule bis zur Oberstufe.
Wie in den vergangenen Jahren ist das Programm vielgestaltig und bunt: Ob Zeichentrick-, Dokumentar oder Spielfilm; ob Arthausfilm oder internationaler Kassenschlager, Cinéfête bietet Interessantes für jeden Geschmack, jede Altersgruppe und jedes Sprachniveau. Es sind allesamt Filme, die die französische Kultur, Geschichte und Lebensrealität spiegeln und Lust auf das französische Kino machen. Dabei könnte der Titel des Eröffnungsfilms La vie ne me fait pas peur – „Das Leben macht mir keine Angst“ – als Motto für Cinéfête 5 fungieren. Denn im Zentrum der Filme stehen unerschrockene Helden, die das Leben und die Konfrontation mit der widrigen Welt oder einer fremden Kultur, jeder auf seine Art, mutig meistern: ein Thema par excellence des Erwachsenwerdens.
Zwei sehr unterschiedliche Verfilmungen französischer Kult-Comics, deren Figuren im Laufe der Jahrzehnte zu Nationalhelden Frankreichs avanciert sind, prägen dieses Programm. In dem farbenfrohe Zeichentrickabenteuer Bécassine, le trésor viking von Philippe Vidal kämpft das legendäre bretonische Kindermädchen Bécassine mit Schatzräubern am Nordpol. Und in dem reich ausgestatteten Spielfilm Astérix et Obélix: Mission Cléopatre von Alain Chabat müssen sich Astérix und Obélix in der ägyptischen Wüste bewähren – kongenial gespielt von dem gewitzten Christian Clavier und Kultschauspieler Gérard Depardieu, für den die Rolle des Obélix wie geschaffen ist. In Frankreich zählt la BD (dt. das Comic) wie Oper, Literatur und Kino zur nationalen Kultur – eine Welt, die deutsche SchülerInnen nun durch Cinéfête auf großer Leinwand entdecken können!
Zum ersten Mal gibt es dieses Jahr einen Dokumentarfilm im Cinéfête-Programm: Der behutsam gefilmte Être et avoir über eine Dorfschule in der französischen Provinz erzielte in Frankreich sensationelle 1,8 Millionen Besucher und löste ein enormes Medienecho à la PISA aus. Être et avoir ist – wie die lebensfrohe Komödie La vie ne me fait pas peur über eine Mädchenviererbande auf dem Weg zum Erwachsenwerden – ein Film zum Eintauchen in den Alltag französischer SchülerInnen!
In guter französischer Tradition, mit schwarzem Humor und einem untrüglichen Sinn für Tabus und Lügen der Bourgeoisie, widmet sich Étienne Chatiliez in der Gesellschaftssatire Tanguy dem aktuellen Phänomen des Nesthockers. Mal sehen, ob die deutschen SchülerInnen – wie die französischen – mit dem unbarmherzigen Chatiliez über Nesthocker Tanguy lachen, oder ob sie sich über die Rabeneltern empören werden, die den doch so perfekten und erfolgreichen Sohn mit allen Mitteln von zu Hause vertreiben wollen. In dem diesjährigen Cinéfête-Klassiker Une affaire de femmes von Claude Chabrol werden OberstufenschülerInnen mit dem Thema der deutschen Besatzung in Frankreich und mit der Problematik der Abtreibung konfrontiert. Isabelle Huppert stellt darin mit packender Intensität das authentische Schicksal der Marie-Louise Giraud dar, eine der letzten Frauen, die in Frankreich zum Tode verurteilt wurden.
Dem sehnlichen Wunsch begeisterter Lehrer und SchülerInnen folgend, gibt es dieses Jahr eine Wiederaufnahme des Cinéfête-Publikumshits Un indien dans la ville von Hervé Palud. Damit auch neue Schülergenerationen ihre Freude an den Abenteuern des Indianerjungen Mimi Siku im Großstadtdschungel Paris haben können!
Ziel von Cinéfête ist es, einem breiten jungen Publikum – von der Grundschule bis zum Abitur – Filme in französischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln zugänglich zu machen. Das Kino wird zu einem Ort, der lebendiges Fremdsprachenlernen und die Begegnung mit fremden Kulturen ermöglicht. Wie in Frankreich, wo Filmerziehung als Unterrichtsfach etabliert ist, möchten wir die SchülerInnen für das Medium Film begeistern, sie zu regem Kinobesuch animieren und für den europäischen Film sensibilisieren.
Stichwort Filmlehre. Seit dem Start von Cinéfête 1 im Jahr 2000 werden jährlich in jeder Cinéfête-Stadt Lehrerfortbildungen zur Vorbereitung auf Cinéfête angeboten. Darüber hinaus organisieren teilnehmende Kinos neuerdings auch Kolloquien mit französischen Experten zum Thema „Schule und Kino“: Zur Förderung eines fruchtbaren Austausches deutscher und französischer Erfahrungen!
Um den Französischunterricht – und demnächst auch den Filmunterricht – nachhaltig zu bereichern, werden jede Woche etwa 72 Videokassetten der Cinéfête-Filme in französischer Sprache an die Schulen mit den "fleißigsten" KinobesucherInnen verschenkt. Dadurch wird an deutschen Schulen ein Grundstock für französische Videotheken gelegt.
In einigen Städten - vor allem in Hessen und Rheinland Pfalz – organisieren von Cinéfête begeisterte SchülerInnen inzwischen ein kreatives Begleitprogramm: Je nach Lust und Laune sind es Podiumsdiskussionen, Präsentationen von Drehbuchparodien oder auch Konzerte mit Filmmusiken. So verankert sich der französische Film nachhaltig im Unterricht und im Bewusstsein deutscher SchülerInnen. Und Cinéfête wird seiner Devise gerecht: Cinéfête, c’est le cinéma en fête !